Ausbildungsstart 2026 bei Auto Leonhardt

Vier Wege

Anfang September steht auf unserem Hof etwas mehr Bewegung als sonst. Vier junge Menschen kommen zum ersten Mal zu uns, nicht als Praktikanten, nicht als Besucher. Sie kommen als Auszubildende, und von diesem Morgen an gehören sie dazu. Sie beginnen ihre Ausbildung in drei Berufen: Automobilkauffrau, Kfz-Mechatronikerin und Fahrzeuglackierer. Was in den nächsten drei Jahren aus diesem Anfang wird, entscheidet sich zwischen ihnen, uns und den Kunden, denen sie begegnen werden.

Über Ausbildung spricht man oft, als sei sie eine Einbahnstraße. Wir geben etwas mit, sie nehmen es entgegen: Handwerk, Wissen, Erfahrung. Was in einem Betrieb tatsächlich passiert, ist etwas anderes. Ausbildung ist ein Verhältnis auf Gegenseitigkeit. Wir bringen den jungen Menschen bei, wie man einen Kunden empfängt, ein Fahrzeug annimmt, eine Reparatur dokumentiert. Sie bringen uns bei, wie ein Beruf aussieht, wenn man ihn zum ersten Mal sieht. Beides ist nötig. Wer in einem Familienbetrieb ausbildet, weiß nach zwei, drei Jahrgängen, dass der ehrliche Blick des Anfängers zu den klarsten Korrekturen gehört, die ein Betrieb bekommen kann. Er sieht, was wir selbst nicht mehr sehen.

Die drei Berufe, in denen wir ausbilden, sehen heute anders aus als vor zwanzig Jahren. Ein Kfz-Mechatroniker arbeitet mehr am Bildschirm als sich mancher vorstellt: Diagnosegeräte, Steuergeräte-Updates, Batteriemanagement. Ein Fahrzeuglackierer misst Farbschichten in Mikrometern und liest Lackformeln aus der Datenbank, bevor die Pistole überhaupt zur Hand kommt. Ein Automobilkaufmann führt Gespräche über Ladelösungen, Leasingmodelle, Software-Abonnements, die vor zehn Jahren noch niemand geführt hat. Was sich verändert, sind Werkzeuge und Themen. Was gleich bleibt, ist die Grundfigur der Berufe: dass jemand ein Fahrzeug versteht, ein Handwerk beherrscht und einem Kunden gegenübertritt, der sich darauf verlassen muss.

Warum bilden wir jedes Jahr wieder aus. Auf diese Frage gibt es eine kurze und eine lange Antwort. Die kurze: weil wir Fachkräfte brauchen. Die lange: weil ein Betrieb, der aufhört auszubilden, sich langsam von dem entkoppelt, wofür er da ist. Ausbildung ist eine der wenigen Investitionen, die sich in Quartalen nicht rechnen. Sie rechnet sich in Jahrzehnten. Wir sehen die Rückkopplung erst spät und oft dort, wo wir sie nicht suchen. In den Wegen ehemaliger Auszubildender. In Empfehlungen, die uns Jahre nach der Lehrzeit erreichen. In dem, was ein Handwerk in einer Region langsam weiterträgt. Diese Rechnung ist unpräzise. Sie ist das Fundament.

Was wir unseren neuen Kollegen mitgeben können, wissen wir. Was wir von ihnen lernen werden, wissen wir noch nicht. Es ist beides Teil desselben Vorgangs. In den nächsten Jahren werden sie unser Alltag sein, und wir werden ihrer sein. Sie werden erste Kunden bedienen, erste Fehler machen, erste Erfolge erleben. Wir werden dabei sein und einiges an ihnen begreifen, was uns über unseren Betrieb nachdenken lässt. Wir wünschen den vier neuen Auszubildenden einen guten Start. Und wir bleiben, wo wir sind: an ihrer Seite und im Erzgebirge, das solche Anfänge seit Generationen kennt.